25.05.2013


Analyse: Bernecker lobt Dynamik der USA



Die USA fördert junge Unternehmen mittels Deregulierung, um ihre Wirtschaftskrise zu bekämpfen. Eine Methode, der auch die Europäer folgen werden, meint die Redaktion der Bernecker Börsenbriefe. Der Vorteil: Die Verschuldung kann abgebaut werden. Der Nachteil: Es können gefährliche Spekulationsblasen entstehen.:

"Die Amerikaner tun jetzt das, was sie schon immer am besten konnten: Sie schaffen unternehmerische Freiheit, und die Finanzierung gleich mit. Präsident Obama wörtlich: „Wir sind eine Nation der Macher. Wir reden nicht, wir packen an. Wir scheuen keine Risiken.“ Klare Worte zu einem klaren Sachverhalt. Wie ist dies zu deuten? Junge Unternehmen werden künftig von den Regulierungslasten befreit. Vor genau 30 Jahren verfuhr Ronald Reagan nicht anders. Jetzt gilt: Der typische amerikanische Unternehmer kann mit einem Drei-Stufen-Plan für Kapital arbeiten und sich so vom Garagenbetrieb zum Weltkonzern hocharbeiten:

1. Friends & Family,
2. Business Angels und
3. First Listing im Local Market, so lautet die Reihenfolge.

Es ist das Fundament der Erfolgsstories nach amerikanischem Muster. Die Regulierungswut infolge der Dotcom-Blase einerseits sowie der Finanzkrise zum anderen findet damit ein abruptes Ende. Beide Ereignisse zusammen hatten die Dynamik der Wirtschaft in den USA deutlich abgebremst. Die Gründung neuer Firmen fiel von 600.000 jährlich auf weniger als die Hälfte in den vergangenen Jahren, und entsprechend schleppend gestaltete sich auch die Genesung des Arbeitsmarktes.

Ab nun wird es einfacher: Das Ergebnis dieser Art Wirtschaftspolitik ab Reagan über Bush bis Clinton: Von 1981 bis 2001 entstanden 38 Millionen neue Arbeitsplätze. In der gleichen Zeit fielen diejenigen in der jetzigen Euro-Zone um 20 Millionen. Wir standen an der Wiege solcher Garagenbetriebe, die zu Weltkonzernen wurden und deren Gründer wir alle kennen: APPLE und EBAY. Die Dynamik des „Jobs Act“ ist deshalb nicht zu unterschätzen und der Schlüssel für Amerikas Zukunft. Der Finanzsektor ist die Drehscheibe dieser Kapitalien. Von der Regionalbank über die Investmentbank bis zum reinen Broker. Mit der neuen Gesetzesvorlage dürften nach aktueller Kenntnis gute 3/4 aller Hemmnisse beseitigt sein. Mal sehen, was die Amerikaner aus dieser Situation machen. Obamas Schritt ist deshalb sehr mutig, enthält keine Garantie, aber entspricht dem, was die Amerikaner als Leistung empfinden.

Die Europäer werden später folgen. Sie benötigen drei bis vier Jahre, um die gleiche Richtung einzuschlagen, nämlich: Nicht Regulierung, sondern Deregulierung schafft Dynamik und Arbeitsplätze. Diese Erkenntnis war Anfang der 80er Jahre von den Deutschen am schnellsten erkannt worden und führte zur sogenannte Kohl-
Wende. Die Franzosen benötigten fünf Jahre länger, um auf den gleichen Dreh zu kommen. Dass ausgerechnet der als links orientiert geltende Demokrat Obama diesen Schritt wagt, finden wir beeindruckend und hätten es nie erwartet.

Das Resümee: Die entstandene Dynamik führte am Ende dazu, dass aus der damals größten Neuverschuldung des Staates im Jahre 1999 ein Überschuss von 300 Milliarden US-Dollar entstand. Die Schattenseiten gibt es natürlich ebenfalls. Sie hatten damals Namen wie Michael Milken (Junk-Bonds) oder auch die Skandale wie WORLDCOM und ENRON oder die Insider-Prozesse, wofür wir alle Namen aufführen könnten, was wir aus Höflichkeit unterlassen."


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